23. April bis 12. Juni 2022
Auf unserer Wunschliste fehlt immer noch der Süden von Italien. Nun wollen wir die Gelegenheit nutzen im Frühjahr 2022 nach den verrückten Corona-Jahren den untersten Teil von Italien inklusive Sizilien zu entdecken. Gut vorbereitet starteten wir zur 7-Wochen-Tour. Ein Stellplatzführer von Italien, plus den Wohnmobil-Tourenguide Sizilien von Reise Know-How und das Buch „Mit dem Wohnmobil nach Süditalien“ aus der WOMO-Reihe machten es uns leicht, gut vorbereitet die Reise anzutreten.
2. Tag 196 km San Marino
Rechtzeitig starteten wir zur 2. Etappe, obwohl uns bei Imola, wegen des Grand-Premio-Formula-Uno Stau vorausgesagt wurde. Dieser machte sich aber erst bei der Ausfahrt schwach bemerkbar. Wir steuerten unserem nächsten Ziel entgegen, dem Kleinstaat San Marino. Parkplatz P13 wird im Stellplatzführer empfohlen, was wir auch artig machten, weil man hier auch über Nacht stehen kann. Ganz hoch zum Städtchen oder eher Burg nahmen wir die Seilbahn. Es war Sonntag und ich glaube ganz Italien war auf dem Hügel. Bei leichtem Regen verzogen sich aber viele in die Gaststätten und Souvenirläden und wir konnten die verschiedenen Türme und Wehranlagen wandernd erkunden. Das Hinunterlaufen zum Parkplatz war dann etwas schwieriger, weil es durch viele enge Gässli nach links rechts und runter ging. Doch auch das schafften wir. Ein traumhafter Sonnenuntergang im wunderbarem Abendlicht liess den Tag ausklingen.
Wollt ihr die Bilder im grösseren Format sehen, klickt einfach auf das erste Bild und blättert durch.












3. Tag 248 km Cerne die Pineto Selbstverständlich liessen wir noch in San Marino unseren Dieseltank auffüllen. Ist er doch mit € 1.69 deutlich günstiger als € 2.00 und mehr, was jetzt üblich ist. Nächstes Ziel war Pineto an der Adria nördlich von Pescara. Es war Montag und auf der Autobahn war nichts los, keine Lastwagen, kaum Verkehr. Am nächsten Tag sagte man uns, dass es der italienische Nationalfeiertag war. Gut für uns. Rechtzeitig am Mittag sind wir auf dem Campingplatz eingetroffen. Sattelten unsere Bikes, um dem Hapimag Resort in Cerne die Pineto einen Besuch abzustatten. Waren wir doch vor rund 27 Jahren erstmals als Hapimager im neu eröffneten Resort zu Gast. Der wunderbare Veloweg am Meer entlang lockte uns auch noch nach Süden bis zu einem Torre, wo wir uns einen Aperol Spritz zu Gemüte führten. Auf dem Heimweg gab Doris mit dem Stromtreter Gas, ich im Windschatten und umkurvten elegant die vielen Spaziergänger auf dem Nachhauseweg. Der Spritz gab etwas Mut…















4./5. Tag 207 km Rodi Garganico
Heute erreichten wir unser erstes Hauptziel, die Gargano-Halbinsel, besser bekannt als Sporn von Italien. Hier möchten wir in einigen Tagen, diese für uns neue und unbekannte Gegend, erkunden. Wir richteten uns fürs Erste zwei Tage auf dem Campingplatz La Perla in Lido di Sole ein.
Wir versuchen meistens nur ca. 1-2,5 Stunden mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, damit wir bereits am Nachmittag ins Meer steigen können oder wie heute sünnele bei Kaiserwetter und dolce far niente. Anderntags war die 15 Kilometer Strandwanderung angesagt nach Rodi Garganico. Nettes Städtchen an den Hügel gepresst mit engen Gassen, Treppen und Ecken zum verlaufen. Gemeinsam haben wir aber den Ausweg wieder gefunden.














6. Tag 30 km Zaiana-Bucht Peschici
Kurzer Sprung nach Peschici, nur gerade 30 Kilometer. Der hatte es in sich, weil wir noch auf eine Klippe fuhren, um von hoch oben auf die berühmte Zaiana-Bucht zu gucken und am äussern Ende die geschlossene Trabucco Beiz beaugapfelten. Das steile Runterfahren überliess Doris mir und sie ging zu Fuss den Berg hinunter, um evtl. Autos zu stoppen, weil ein Kreuzen wirklich unmöglich war. In Peschici angekommen reichte es noch für einen Spaziergang durch die engen Felsen zu einer einsamen Bucht. Leider war die Strandbar noch nicht offen. Man merke, zu dieser Jahreszeit (Ende April) sind die meisten Gaststätten und Läden und auch die Campingplätze noch nicht geöffnet. Da wir meistens auf Stellplätzen übernachteten, haben wir dank Stellplatzführer immer eine geeignete Nachtruhe gefunden.
An diesem Nachmittag stiegen wir hoch zur Altstadt von Peschici, ähnlich in weiss und blau bemalte Häuser wie Santorini in Griechenland. Wunderbare Gässchen und Ecken und sogar ein Restaurant hatte offen für unseren obligatorischen Apérostop.





7./8. Tag 32 km Vieste
Wieder ein kurzer Sprung zur grössten Stadt auf der Halbinsel Gargano Vieste. Hinter einem Hotel versteckt unser Stellplatz, vorbei an einem Twerenbold-Bus. Mit diesem Bus ist unsere Nachbarin Martha unterwegs und wir treffen sie überraschend mitten auf dem Bummel durch die Altstadt, ein abendliches Apéro miteingeschlossen. Martha muss jetzt schnell nach Hause, um unsere Terassenpflanzen zu giessen. Am zweiten Tag war eine Strandwanderung im Programm auf eine Klippe mit einer Trabucco Fischfanganlage, eine alte Art, Fischschwärme mit einer Hebevorrichtung aus dem Meer zu ziehen. Nachmittags sonnten wir uns am Pool, um dann abends ins Städtchen zum Essen zu spazieren. Nicht bevor wir noch den berühmten Pizzomunno im besten Abendlicht fotografisch eingefangen hatten.












9. Tag 92 km. Monte San Angelo San Giovanni Rotondo
Heute geht es an der schönsten Gargano Küste entlang. Serpentinen hoch, Serpentinen runter mit wunderbaren Ausblicken auf die zerklüfteten Kalksteinformationen. Leider war es Sonntag und die Italiener waren mit Kind, Kegel und Motorräder unterwegs mit Überholkünsten, wie es nur Italiener können. Einige Motorradfahrer meinten sie seien Valentino Rossi und überholten uns so waghalsig wie beim MotoGP. Wir besuchten an diesem Tag noch die Pilgerstätte von Pater Pio in San Giovanni Rotondo und dankten, dass wir nicht abgeschossen wurden. Vorher ging es aber noch nach Monte San Angelo, wieder durch unzählige Haarnadelkurven hoch und wir besuchten die wohl älteste Reihenhaussiedlung der Welt. Beim Kastell stiegen wir eine lange Treppe hinunter zu einer Felsgrotte, die als Kapelle ausgebaut war. Nicht bevor mich eine nette Klosterfrau aufmerksam machte, dass ich das Casquette abziehen sollte.











Dann war eben San Giovanni Rotondo angesagt. Per Bike trampten wir hoch vom Stellplatz zur Pilgerkirche – gestaltet von Renzo Piano. Kennen wir doch: Klee-Museum Bern. Was wir hier antrafen, war Pilgergigantismus mal zwei. Die doppelstöckige Kirche (Ober- und Unterkirche) mit weiteren zwei zusätzlichen grossen Kapellen. Die Oberkirche fasst 6000 Pilger. In der Unterkirche kann man den einbalsamierten Pater Pio in einem Sarkofag besuchen. Das Gesicht mit einer originalgetreuen Maske überdeckt… bei Madame Tousseau machen lassen… Auf dem Aussenplatz ist ebenfalls ein Openair-Altar (Bühne) aufgebaut für nochmals schätzungsweise 10′ bis 15’000 Pilger. Diese Riesenpilgeranlage wurde erst im Juli 2004 fertig gebaut und eingeweiht. Was würde wohl Pater Pio (1887-1968) sagen über diesem Pilgergigantismus (jährlich 6 Millionen Pilger…), der ja als einfacher Kapuzinermönch gelebt hat.




10. Tag 127 km Castel del Monte
Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Apulien war heute auf dem Programm, das Castel del Monte. Ein etwa 10 Fussballplätze grosser Parkplatz mit integriertem Stellplatz mit Strom und Ver- und Entsorgung. Es war Montag und fast nichts los, wenn man bedenkt, was am Tage zuvor los war also d.h. kaum Touris. Per Pedes war es zum Castel gerade mal 30 Minuten. Eine eindrückliche guterhaltene Anlage mit seinen acht achteckigen Türmen erbaut um 1200. Tolle Baukunst aus dieser Epoche. Keine Souvenirläden rund um das Castel, das wäre vorbildlich für Italiens Sehenswürdigkeiten.






11./12. Tag 136 km Monopoli
136 km dauerte die Fahrt nach Monopoli. Nicht zum Monopoli spielen, sondern ein wunderbares Städtchen zu erkunden. Leicht ausserhalb lag der Campingplatz und wir konnten mit den Velos das Städtchen erreichen. Wir kurvten durch die teilweise verkehrsfreien, engen Gässchen und fanden schöne Ecken und Ausgucke. Am Abend ein Märschlein zum Strand runter resp. an eine eindrückliche Felsenküste, wo sie früher aus den Felsen direkt die Steine für den Häuserbau raussägten. Darum auch die quadratischen leeren Blöcke, die jetzt vom Meer umspült sind. Heute ist der Steinbruch nicht mehr in Betrieb.














13. Tag 67 km Alberobello
Wir steuerten einem absoluten Höhepunkt entgegen, Alberobello. Etwas im Hinterland gelegen, bieten sie mit diesen einmaligen Trulli-Häusern einen Stadtteil, der einzigartig ist. Schon auf der Hinfahrt sind uns am Strassenrand diese runden, mit einem Spitzdach versehenen runden Steinhäuser aufgefallen. Das sieht man nur hier in einem kleinen Teil von Apulien. An Hügel gelegen sind die beiden Quartiere gelegen, wogegen der zur Stadt nähere Teil noch viel urchiger anzusehen war. Vor allem auch der Abendspaziergang durch die langsam eindunkelnde Nacht war ein Augenschmaus, vor allem weil die Touris nicht mehr unterwegs waren. Wir haben uns ausgemalt, was hier im Sommer los ist, wenn die Touristen zu tausenden dieses Alberobello „überfallen“. Vom Stellplatz mitten in der Stadt gelegen war es nur einige Schritte zu diesen Trullihäusern.









14./15./16. Tag 171 km Otranto
In Locorotondo, einem Städtchen auf einem Hügel gelegen, hielten wir kurz an. Schlichen über den gerade stattfindenden Wochenmarkt und deckten uns mit frischem Gemüse für die nächsten Tage ein. Wunderbar waren auch in dieser „weissen“ Stadt die Gässchen, fast alle mit eindrücklichem Blumenschmuck versehen. Der kurze Stopp hat sich gelohnt, es lag ja gerade am Wege.






Wieder am Meer angekommen machten wir es uns in Otranto, einer alten Festungsstadt, für 3 Tage bequem. Was heisst hier bequem. An zwei Tagen wanderten wir einmal nordwärts über die Klippen mit traumhaften Buchten. Anderntags war eine Küstenwanderung gegen Süden angesagt. Hier ging es mehrheitlich über herrliche Blumenfelder und grüne Küstenabschnitte zu einem nicht mehr betriebenen Leuchtturm. Laut Reiseführer soll dies der östlichste Punkt von Italien sein. Nach diesen beiden fast 4-stündigen Wanderungen hatten wir das Abendessen in der schönen Altstadt redlich verdient. Übrigens liegt der Campingplatz gleich neben der Altstadtmauer. Das hat uns bewogen, immer kurz noch einen Sprung in die bewehrte Stadt zu machen. Die drei Tage vergingen im Fluge und wir steuerten langsam dem südlichsten Punkt in Apulien, dem Absatz von Italien, entgegen.















17. Tag 61 km Leuca
Eine tolle Fahrt der Küste entlang war nun angesagt, teilweise hoch über den Klippen und wieder runter durch schampar enge Gässchen. Teilweise mussten wir den Rückspiegel einklappen, um noch um die Ecken zu kommen oder damit uns kein Auto streift. Ein Zwischenstopp in Baia del Ciolo zeigte uns eindrücklich, wie diese Küste geformt ist.






In Leuca eingetroffen, war auf dem riesigen Wiesenstellplatz mit seinen grossen Schattenbäumen jede Menge Platz frei, um sich einzurichten. Nur gerade vier Wohnmobile pausierten hier. Weil schon mittags angekommen, ging es wieder runter ins Dorf, um das südlichste Dorf Apuliens zu erkunden, das mit wunderbaren Häusern und Villen glänzt. Mir hatte es eine wunderbare Gelateria resp. Café mit wunderbaren italienischen Gebäcken angetan. Erstmals versuchte ich die Cannoli, die ja hier unten eine Spezialität sind. Einfach huere gut und der Espresso Macchiato dazu wunderbar gebraut. Sogar abends gingen wir nochmals hin… Strand gibt es hier unten keinen. Das macht erfinderisch und die diversen Restaurants haben auf den Klippen ganze Bühnen aufgestellt oder sind im Moment am Aufbau mit den dazugehörigen Liegestühlen für den Sommer.
Hoch ging es über die steile Treppe zum Kloster oder Kathedrale oder weiss ich was. Wir haben jetzt schon so viele Kirchen besucht resp. hineingeguckt, dass mir wohl die Kirchensteuer in der Schweiz für ein Jahr stornieren werden…












18. Tag 65 km Gallipoli
Wieder Richtung Norden ist Gallipoli unser nächstes Ziel. Die Altstadt, auf einer Insel gelegen und mit einer Brücke verbunden, hatten wir mit einem Fussmarsch vom Parkplatz in gut 20 Minuten erreicht. Wir erkundeten resp. umrundeten auf der äussersten Strasse die Altstadt und hatten einen wunderbaren Blick aufs Meer und ein neckische Badebucht direkt 10m unter der Altstadt. Reizvolle Bistros luden zum Apéro, das wir dann im Innern der Stadt fanden, um dem bunten Treiben zuzuschauen. Eigentlich waren wir etwas enttäuscht von Gallipoli. Wir hatten etwas mehr erwartet. Nach gut 2 Stunden ging es mit Elvis zum nahegelegenen Campingplatz. Der hatte es in sich, wie ein Garten angelegt mit hohen Bäumen, Büschen und Sträuchern, die wunderbar Schatten spendeten und etwas Privatsphäre gaben. Wir genossen den Nachmittag mit lesen und sünnele.












19./20. Tag 184 km Matera
Ein grosses Highlight kündigte sich an, der Besuch der Felsenstadt Matera. Bevor es dahin ging, noch ein kleiner Abstecher nach Manduria. Lag fast am Weg. Wir sind an der Quelle des Primitivo di Manduria. Und jetzt? Der Reiseführer versprach uns ein Weingut mit Tanksäule. Und wirklich, da kamen die Leute mit Kanistern und liessen ihn mit Primitivo füllen. Da wollten wir nicht passen und erstanden uns einen 3 Liter Kanister und liessen das rote Gold in den Plastik fliessen. Selbstverständlich kauften und degustierten wir noch andere Sorten. Übrigens der „Plastik-Primitivo“ war wirklich nicht schlecht…





Vis-à-vis auf einem Hügel von Matera angekommen, begrüsste uns ein einfacher Stellplatz mit Strom und Wasser. Von hier aus wanderten wir zum Bellevue, um einen ersten Eindruck zu kriegen über das tiefe Tal und die grossartig angelegte Stadt mit ihren Felsenhäusern. Abends ging‘s per Velo etwas schneller zu diesem Viewpoint um das Einnachten und den Sonnenuntergang zu beobachten. Wunderschön.




Anderntags war der grosse Fussmarsch im Programm, hinunter in den Canyon und wieder rauf in die Altstadt und wieder zurück, bei rund 30° am Schatten. Wackerer Schweissverlust beim Hin- und Zurückgehen waren vorprogrammiert. Was hier vor hunderten von Jahren angelegt, resp. ausgehöhlt wurde, ist einzigartig. Wir staunten nur und waren beeindruckt von der Baukunst der teilweise in den Felsen gehauenen Behausungen. Matera muss man einfach gesehen haben. Pflichtfach beim Apulienbesuch.
















21./22./23. Tag 142 km Sibari
Sünnele, Bädele, dolce far niente waren bei der nächsten Station in Sibari angesagt. Jetzt sind wir auch in Kalabrien angelangt. Dieser Platz hatte es in sich. Ein riesiger Pinienwald, die vordersten Plätze direkt am Beach. Herr was willst du mehr. Touris hat es kaum. Wir schnappten uns den besten Platz unter den Pinien direkt am Strand. War auch keine Kunst, da wohl nur gerade 10 Wohnmobile diesen riesigen Platz mit über 200 Parzellen belegten. Eine Radrunde war angesagt und Beachwalking und viel sünnele und gut essen.








24./25. Tag 202 km Tropea
Nun überquerten wir den Fuss von Italien auf die westliche Seite. Unweit von Tropea durchfuhren wir ein enges Städtchen, wo ich den Seitenspiegel einklappen musste, aber Doris fuhr präzise mit einigen weiblichen Flüchen am Steuer und ich als Beifahrer amüsierte mich köstlich. Tropea hielt wirklich, was man von diesem Ort erwartet. Steil rund 100m über der Meeresküste thront die Altstadt. Abends bewunderten wir von dort die prächtigen Sonnenuntergänge. Gleich unterhalb der Felsen lag auch der Campingplatz und über die rund 200 Stufen zur Altstadt wurde auch unsere Fitness gebraucht, die wir selbstverständlich freiwillig mehrmals testeten. Ein grösserer Marsch führte uns zu einem Hotel, das hoch über den Klippen thronte, wo Doris mit klein Michael vor über 40 Jahren einmal in den Ferien war, als ich in Seoul die Olympischen Spiele besuchte. Ein Lift nur mit dem Hotelpage zu bedienen, bringt die Gäste zum Strand… Mikel „whatsappte“ uns, das seien damals seine schönsten Ferien gewesen. Selbstverständlich mussten wir runterlaufen, da kein Page. Die prächtige Strandbar lockte uns gleich zu einem Apéro und Selfies. Die zwei Tage vergingen im Fluge an diesem Hotspot.
















26./27. Tag 196 km Sizilien – Gardini Naxos/Taormina
Nun werden wir Kalabrien schon wieder verlassen und steuern der Fähre in Villa San Giovanni zu. Sizilien ruft. Die Überfahrt sacke teuer und nicht mal so weit wie Horgen-Meilen, aber 3x so teuer. Schon lange wäre eigentlich eine grosse Brücke geplant, doch die Mafia und die dazu gehörenden vielen Arbeitsplätze beim Fährdienst verhindern dies. Wir schafften es, in „einigen Minuten“ die Strasse von Messina zu durchschiffen, umschifften Messina und suchten unser Nachtlager in Gardini Naxos auf einem kleinen Campingplatz. Von unserem Stellplatz aus konnte man das wohl berühmteste Städtchen Siziliens Taormina, hoch am Berg klebend, schon sehen. Leider liess uns der Buschauffeur mit unseren blauen Chirurgenmasken nicht in den Bus einsteigen. Eine FFP2 Maske sei hier obligatorisch. Mit einem satten italienischen Fluch porcod… gings zum nächsten Kiosk ein solches Ding kaufen. Der nächste Buschauffeur liess dann alle einsteigen, ob mit dieser oder jene Maske. So ist Italien… Die Fahrt durch die Serpentinen hoch nach Taormina war dann aber ein Formel-1-Rennen. Der Chauffeur gab seine Fahrkünste zum besten. Bei jeder Kurve ein Angststöhnen aus vielen Kehlen und oben angekommen doch ein flotter Applaus. Wir sind heil angekommen. Das Städtchen wunderschön, toll herausgeputzt und von Touris, obwohl noch nicht Hochsaison, zünftig voll. Nun lassen wir die Bilder sprechen.
















28. Tag 56 km Ätna Nord
Da der Ätna gleich um die Ecke liegt, ging es hoch zum Rifugio Citelli auf 1730m. Das nennt sich Ätna Nord. Ein Tipp von zwei Schweizerinnen auf dem Campingplatz, weil man von hier aus den neu frisch speienden Vulkan bestens sehen kann, was von der Südseite nicht möglich ist. Nachmittags wanderten wir auf den Lavafeldern herum und hörten das Donnern des Ätna (3226m). Abends dann das grosse Schauspiel. Im Dunkeln sah man mit dem Fernligucker die fliegenden glühenden Massen aus dem Schlund fliegen. 1.-August-Dauervulkan, alles umsonst. Wunderprächtig. Das Abendessen nahmen wir in der Berghütte ein und auf dem Parkplatz verbrachten wir gratis die Nachtruhe, wenn nicht gerade wieder der speiende Ätna donnerte. Ein kurzer Ausflug brachte uns zu einer Skistation, die vor Jahren beim letzten Ausbruch teilweise bös verschüttet wurde. Eindrücklich. Ist aber schon wieder in Betrieb.









29. Tag 38 km Ätna Süd
Anderntags fuhren wir wieder den Berg runter und es ging zur Südseite des Ätna hinauf zum Rifugio Sapienza. Da ist dann was los gegenüber den 30 Parkplätzen am Ätna Nord. Riesige Parkplätze, Hotels und Läden säumten die Gegend. Eine Gondelbahn brachte uns von hier auf 2300m mitten in die Kraterlandschaft. Teilweise Krater, die vor rund 20 Jahren noch aktiv waren. Aus einigen Löchern dampfte es noch zünftig und als Doris die Hand in ein dampfendes Loch reckte, zog sie sie schnell zurück, weil es zünftig heiss war. Eine grossartige Wanderung rund um einen grossen Krater und weiter hoch, war für uns ein besonderes Erlebnis in dieser fast unwirklichen Gegend. Von dieser Seite sieht man leider nur den grau/schwarzen Rauch mit grossem Donner aufsteigen, leider aber keine speiende, glühende Lava wie auf der Nordseite. Je nach Windrichtung fiel immer wieder spürbar Aschenstaub auf uns. Unten auf dem grossen Parkplatz erwartete uns der Elvis zur Abend- und Nachtruhe.









30./31. Tag 159 km Lido di Noto
Mit der grosszügigen Umfahrung von Catania erreichten wir das Meer in Lido di Noto, wo wir uns für zwei Nächte einrichteten. Vorab musste aber Doris den Elvis noch durchdie engen Kurven, Gässchen, Heiden und Wälder chauffieren, was mehrmals ein lautes Frauenzischen auslöste. Selbstverständlich sind wir unten heil und sicher in Lido di Noto angekommen. Die Bikes brachten uns zum nächsten Strand und wieder mal war sünnele/bädele angesagt. Anderntags sattelten wir wiederum die Räder und fuhren hoch ins Städtchen Noto. Ein schmuckes Städtchen mit nicht weniger als 32 Kirchen und prächtigen Häusern… schön angeordnet und touristisch herausgeputzt. Auf dem Rückweg noch ein Schwenk nach Avola, die Stadt des Vino d’Avola, zum Gelatischmaus.














32. Tag 31 km Portopalo di Capo
Heute haben wir die Südspitze von Sizilien erreicht. Der Ort Portopalo di Capo selbst gab leider nicht so viel her. Der Campingplatz völlig verweist. Wir waren die einzigen im riesiegen Pinienwald. Eine schöne Velofahrt brachte uns im Dörfchen zu einer wunderschönen Steinklippenbucht, wo ich wieder einmal nach Herzenslust schnorcheln konnte, während sich Doris an der verdammt heissen Sonne räkelte oder sich in den Schatten verkroch.









33./34. Tag 107 km Ragusa Punta Braccetto
Nun fuhren wir kilometerlang an riesigen Plastiktreibhäusern vorbei. Die ganze Gegend war nur noch grau/braun zu erkennen. Da fragen wir uns, wieso so viele Treibhäuser, wenn es hier unten schon so warm ist. Doch es braucht sie, weil wir in Mitteleuropa im Winter sehr gerne Tomaten, Zucchetti etc. essen möchten… Bei einem Spaziergang neben den Treibhäusern vorbei habe ich mal hineingeguckt und sah schon fast fertig, gereifte Trauben hängen und das Mitte Mai… weil WIR eben im Sommer auch gerne Trauben essen…



Ragusa ruft, nicht die süsse Versuchung, sondern ein Dorf hoch in den Bergen auf zwei Hügeln angeordnet. Bei der Wärme zu Fuss eine schwitzige Besichtigungstour. Aber Ragusa hat es in sich. Neckisch kleben die Häuser an den steilen Hängen und an jeder Ecke gibt es was Interessantes zu sehen. Die steile Treppe auf den zweiten Stadthügel drückte uns den letzten Schweisstropfen aus den Poren. Zum Übernachten wartete wieder das Meer in Punta Braccetto. Eine längere Küstenwanderung an prächtigen modernen Villen vorbei zeigt uns doch, dass es im Süden von Sizilien doch noch etwas Geld gibt, obwohl da unten alles etwas armselig und verlottert aussieht, dass man glaubt, Rom habe Sizilien etwas im Stich gelassen oder vergessen.


















35. Tag 186 km Agriturismo Gigliotto
Im Reiseführer lasen wir von einem wunderschönen Agriturismo mit Stellplatz in den Hügeln im Landesinnern, namens Gigliotto. Nichts wie los nimmt der Elvis die 133 km unter die Räder. Eine Wanderung durch die Rebberge und auf den Hügel eröffnete uns einen herrlichen Rundblick über die Gegend. Im speziellen Degustations-Pavillon präsentierte man die Gigliotto Weine. Abends lud das stillvolle Restaurant zum Apéro und feinem Nachtessen. Ein prächtiges Fischmenu in diversen Gängen verzauberte unsere Gaumen. Da liess es ich anschliessend prächtig schlafen.
















36. /37. Tag 133 km Caltagirone, Agrigento
Der nächste Stopp auf dem Wege nach Agrigento war in Caltagirone, die Keramikhochburg Siziliens mit einer Jahrhunderte alten Tradition. Überall leuchten Fliesen, Vasen, Teller und Krüge in den buntesten Farben. Selbstverständlich habe ich mir eine avantgardistische Esspresso-Tasse gekauft. Dann ist hier noch die Freitreppe Santa Maria del Monte. Diese sind wir selbstverständlich hochgestiegen, was aber auch mit einigen Tropfen Schweiss bezahlt werden musste. Schön wars allemal.









Am selben Tag fuhren wir weiter nach Agrigento, dem Tal der Tempel, obwohl die Tempel alle auf einem Hügel liegen. Ein geschichtsträchtiger Ort mit gut erhaltenen griechischen Tempeln. Die Besichtigung/Wanderung durch die Tempellandschaft hat fast den ganzen Tag gedauert. Hier sahen wir wieder einmal, was Sizilien für eine lange Geschichte und Kultur hat oder hätte.











38. Tag 52 km Eracle Minoa
An diesem Tag erlebten wir einen Höhepunkt auf unsere Sizilienreise. Zuerst besuchten wir die Bucht beim Scala dei Turchi. Zu Fuss stiegen wir die vielen Treppen Hinunter zur Bucht prächtig, prächtig der Anblick des weissen Felsen.






Weiter fuhren wir dann zum Campingplatz (Eracle Minoa) im Pinienwald am Meer am Capo Blanco. Die Anfahrt geht steil hinunter und der Platz ist wirklich kaum einzusehen. Steil türmt sich der monumentale weisse Felsen aus Mergel hinter uns auf. Leider kann man wegen Steinschlag nicht mehr direkt an den Felsen gelangen. Vorab gab es eine Strand-Wanderung zu einem wunderbaren Restaurant zum nachmittäglichen Apéro und Schwimmen.









39. Tag 118 km Sciaccia Petrosina
Morgens ging es wieder hoch, um den Scala dei Turchi von oben zu bestaunen. Ein herrlicher, weisser, treppenartiger Berg stürzt sich ins Meer. Prächtiges Schauspiel. Weiter ein Stopp in Sciaccia, parkieren am Hafen und hoch geht’s in die Altstadt. Leider fühlte sich das zierliche Städtchen etwas ausgestorben an, sogar das Casino haben sie definitiv geschlossen und wartet auf bessere Zeiten.














Und nun erlebten wir das, was hier unten üblich ist, fahren zu einem grossen Campingplatz zur Reception. Alles leer, kein Mensch da, geschlossen wegen der Krise… oder Pleite. Auch hier sieht man, was Corona dem Tourismus angetan hat. Also weiterfahren zu einem kleinen neckischen Camping in Petrosina, wo nur gerade ein Aargauer Pärchen und wir zu Gast sind. Kommen sie noch die Touristen resp. Camperfreunde in diesem Jahr? Hoffen wir, es ist ja erst Ende Mai.


40./41. Tag 81 km Erice Valderice
81 Kilometer bringen uns die Ostküste nach Valderice. Kurz vorher noch ein Abstecher mit dem Bähnli nach Erice 750m ü.M. Ein Städtchen, das hoch über der Küste auf einem Felsen die Stadt Trapani überragt. Die mittelalterliche Stadt mit vielen Treppenstufen und den engen Gassen ist aus gutem Grunde autofrei. Wirklich ein Besuch wert.











In Valderice machen wir uns für zwei Tage breit, weil ja sowieso Pfingsten winkt. Da haben wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die Italiener haben grosses Weekend und stopfen die Campingplätze voll. Nachtruhe wie auf allen Campingplätzen um 22.00 Uhr – denkste. Zu dieser Zeit ruft die Nonna aus dem Camper „mangiare“ und es wird reingeworfen, was das Zeug hält mit viel Lärm und Gelächter bis über Mitternacht. Gut ist Pfingsten dann schnell vorbei. Erleben muss man das einmal, aber vielleicht nur einmal. Ein Velotürli brachte uns der Küste entlang zur kleinen Höhlensiedlung Grotte von Mangiapane. Perfekt angelegt, um im Schatten der Hitze zu entrinnen.








42./.43./44. Tag 18 km San Vito lo Capo
Ganz, ganz kurze Fahrt nach San Vito lo Capo. Der Ort liegt an der Spitze der Landzunge ganz oben im Nordosten von Sizilien und ist ein beliebter Badeort mit allem Drum und Dran. Da der Campingplatz etwas ausserhalb vom Ort liegt, sind wir einmal zu Fuss über die Krete nach San Vito gewandert und einmal haben wir die Radtreter genommen. Mein Schnorchlerherz schlug höher, als ich die wunderbaren Felsbuchten sah. Runtergestiegen und mit meiner Nikon Coolpix AW30 unter Wasser fotografiert und gefilmt. Eine Outdoorkamera für alle Fälle. Sehr klein, fötelet, filmt, mit optischem Zoom und kann locker aus 1,5 Metern auf den Boden fallen… Eine neue Erfahrung und traumhaft. Ganze drei Tage hielten wir es auf diesem prächtigen Stellplatz aus. Hätten noch länger bleiben wollen, doch die Fähre wartet in fünf Tagen auf uns.















45./46. Tag 60 km Castellammare de Golfo
Nun geht es der Nordküste entlang Richtung Palermo. Zuvor war noch eine Wanderung angesagt im Nationalpark Zingaro bei zünftiger Hitze und ohne Einkehrmöglichkeiten. So haben unsere mitgetragenen Wasserflaschen den Dienst bestens erfüllt. Herrlich die Steilküste mit wunderbarem Ausblick aufs Meer.











Zwei Nächte sassen wir in Castellammare de Golfo ab. Was heisst hier absitzen? 30 Meter über dem Meer auf einer Klippe mit einer Treppe zum Meer, die Altstadt in Fussweite. Dieses Städtchen steht ebenfalls auf der Klippe und senkrecht runter geht’s an den Strand. Oben in einem feinen Restaurant sitzend den Sonnenuntergang zu sehen, das Dinner geniessen – Herz was willst du mehr. Idyllisch geht unsere Reise langsam zu Ende.









47./48. Tag 136 km Cefalù
Es lockte über Palermo hinaus das Städtchen Cefalù. So fuhren wir ein wenig weiter als Palermo, um auch noch diese Ecke auszukundschaften. Wieder fanden wir einen Stellplatz mit lauwarmem Swimmingpool gleich neben dem Hapimag-Resort, die wir als Hapimager selbstverständlich besuchten und inspizierten. Prächtige Anlage. Vielleicht mal für einige Wochen unser Domizil.






Cefalù hat ein charmantes Stadtzentrum mit wunderschönen Ecken. Am Nachmittag zog ein zünftiger Wind bei stahlblauem Himmel auf und der seichte Sandstrand wurde zum Tummelplatz meterhoher Wellen. Ein ungewohntes Schauspiel aber prächtig anzusehen.












49. Tag 71 km Palermo
71 Kilometer zurück nach Palermo. Wir konnten uns Zeit nehmen, da die Fähre erst um 20 Uhr ausläuft. Doch auch die Fahrt durch Palermo an den Hafen war ein Erlebnis wert. 3-spurig auf einen Kreisel zufahren braucht Taktik und Geschick. Da unser Elvis etwas grösser ist als ein Cinquecento war von Vorteil. Doch brauchten wir mehr als einen Anlauf, um im Hafen zu landen, denn wenn man zu früh am Hafentor anklopft, darf man noch nicht ins Hafenareal fahren. Also nochmals eine Runde. Tiptop parkierten wir im grossen Bauch der Fähre unser Blechlehäusle. Mit Pischi und Zahnbürsteli bepackt stiegen wir hoch zu unserer Kabine. Doris freute sich auf das eigene Körbchen. Denn in 140x200cm Nescht 49 Nächte zu schlafen, soll doch genug sein. So eng zusammen müssen wir nicht mehr schlafen. Wärme gibt man sich nur im Winter, aber nicht bei dieser Prachtshitze im Süden von Italien.
Die Ausfahrt aus dem nächtlich beleuchteten Hafen war ein besonderes Schauspiel auf dem Heck im 7. Stock. Kurzerhand gings ins feine Restaurant zum Dinner. Schlafend tuckerten wir Richtung Genua.





50. Tag 245 km Genua
Aufgewacht am andern Tag, genossen wir nach dem ausgiebigen Frühstück, das stille Meer und die vorbeiziehenden Inseln auf dem Deck. Pünktlich um 18 Uhr fuhren wir in den Hafen von Genua ein. Frühzeitig wird man aufgeboten, parat zu sein, um dann im Bauch der Fähre sein Auto zu suchen… Ging alles flott von statten und weil wir nach einer Nacht und Tag an Bord der Fähre zünftig ausgeruht waren, fuhren wir gleich weiter die 245km bis auf den Monte Ceneri, wo wir den Stellplatz bestens kennen und morgens im nahen Tankstellen Shop wieder mal ein gutes feines, frisches Gipfeli posteten.





51. Tag 230 km nach Hause
Die restlichen Kilometer ins Toggenburg haben wir locker geschafft.
Eine stolze Reise durch den Süden Italiens geht einmal mehr unfallfrei zu Ende. War ja alles neu für uns. Viele Eindrücke bleiben immer haften und werden nie mehr vergessen.


Die Reise in der Übersicht

Link zur Map:
https://www.mapsdirections.info/de/zeichnen-zie-eine-route-google-maps/viewMap.php?route=411050
Statistik:
51 Tage
4’270 Kilometer
Ø 83 km pro Tag
€ 749.90 Diesel
€ 449.30 Autobahn/Fähre
€ 939.50 Stellplatzgebühren
€ 2’137.70 Totalkosten ohne Essen – müssen wir zu Hause auch
Ich führe genau Buch resp. Tagebuch auf dem Handy/iPad über unsere Reisen, somit kriege ich eine wunderbare Übersicht. Im Alter vergisst mal wieder viel, Tagebuch hilft. Beispiel gefällig:

Hallo ihr Lieben,
wow, WAHNSINN!!!!
herzlichen Dank für den tollen Reisebericht.
Tolle Bilder und sehr interessante Erklärungen.
Grüsse Mary und Bruno
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